Otto Greiner (Leipzig 1869 - 1916 Munich)
preparatory drawing for the etching "Gäa" (Gaia/Gaea - Mother Earth), Vogel 93 - main plate
1909
pen and black ink on Japan paper
39,4 x 30,7 cm (image); 46,4 x 37 cm (sheet)
signed, inscribed, and dated lower right below the framing line: "O. Greiner Rom 1909"
The Daulton Collection
Provenance:
circa 1917: Collection of Michael Berolzheimer
before 1933: Collection of Heinrich Stinnes (Mülheim an der Ruhr 1867-1932 Cologne), who was the greatest German graphics connoisseur and collector of his day; his violet collector's stamp (Lugt 1376a) appears in the lower left margin.
Discussion:
In 1908, Greiner began work on the large-format etching "Gäa" (Vogel 93, pl. XXXIII). He worked for four years on this impressive depiction of Mother Earth, completing his work in 1912, documented by numerous drawing studies and repeatedly reworked etching plates.
At the center of the image sits a gigantic, naked woman, slumped, her eyes closed, beneath a boulder as if carrying the world on her shoulders. She wearily offers her left breast to an infant being held out to her by a satyr. She is surrounded by children of various ages. She is the personification of the "inexhaustible generative power and fertility of Mother Earth, symbolized by the eternal rejuvenation of the human race, which from birth completes its cycle in certain paths" (Vogel 1917, p. 93). From her womb she gives birth to children who - still missing in the present drawing, but visible on the completed plate - are received by a female genius, before finally being released onto the stony path of life. The battle of the cavalry troops on the surface may illustrate how rocky, arduous, and dangerous this path of life can be.
The drawing, here still without the element of the female genius, but already with the three children between her legs and the battle on the rock, shows an intermediate state compared to the etching plates. For it was only for the 12th century that the drawing was created. In the first state of the etched plate, Vogel describes the female genius and the fighting warriors as a new detail. The subsequent, concluding changes to the plate up to the final state XIX serve only as minor revisions and stronger modeling of the figures. As a meticulously executed, detailed, and brilliantly formulated model, the drawing is a testament to Greiner's wealth of thought and artistic imagination.
"In 1908, Greiner began
work on the large-format etching 'Gäa' (Vogel 93, pl. XXXIII). He
worked for four years on this impressive depiction of Mother Earth, completing
his work in 1912, documented by numerous drawing studies and repeatedly reworked
etching plates." B
"At the center of the image
sits a gigantic, naked woman, slumped, her eyes closed, beneath a boulder as if
carrying the world on her shoulders. She wearily offers her left breast to an
infant being held out to her by a satyr. She is surrounded by children of
various ages. She is the personification of the 'inexhaustible generative
power and fertility of Mother Earth, symbolized by the eternal rejuvenation of
the human race, which from birth completes its cycle in certain paths' (Vogel 1917, p. 93). From her womb she gives birth to children who - still
missing in the present drawing, but visible on the completed plate - are
received by a female genius, before finally being released onto the stony path
of life. The battle of the cavalry troops on the surface may illustrate how
rocky, arduous, and dangerous this path of life can be." B
" As a meticulously executed, detailed, and
brilliantly formulated model, the drawing is a testament to Greiner's wealth of
thought and artistic imagination." B
["1908 beginnt Greiner mit der Arbeit an der
großformatigen Radierung 'Gäa' (Vogel 93, Taf. XXXIII). Vier Jahre arbeitet er
an der eindrücklichen Darstellung der Mutter Erde, bis er sein Werk 1912,
belegt durch zahlreiche Zeichenstudien und immer wieder überarbeitete
Radierplatten, beendet. Im Zentrum der Darstellung sitzt eine
riesenhafte, nackte Frau, niedergesunken, die Augen geschlossen, unter einer
Felsscholle als trage sie die Welt auf ihren Schultern. Ihre linke Brust reicht
sie ermüdet einem Säugling, der ihr von einem Satyr entgegengestreckt wird.
Umgeben wird sie von Kindern verschiedenen Alters. Sie ist die Personifikation
der 'unerschöpflichen Zeugungskraft und Fruchtbarkeit der Allermutter Erde,
versinnbildlicht durch die ewige Verjüngung des Menschengeschlechts, das von
Geburt an in bestimmte Bahnen seinen Kreislauf vollendet' (Vogel 1917, S. 93).
Aus ihrem Schoß gebärt sie Kinder, die - in der vorliegenden Zeichnung noch
fehlend, aber auf der vollenden Platte zu sehen - von einem weiblichen Genius
in Empfang genommen werden, um schließlich auf den steinigen Pfad des Lebens
entlassen zu werden. Wie steinig, beschwerlich und gefährlich dieser Lebensweg
werden kann, mag die Schlacht der Reiterscharen auf der Oberfläche zu
verdeutlichen. Die Zeichnung, hier noch ohne die Anlage des
weiblichen Genius, aber bereits mit den drei Kinder zwischen den Beinen und der
Schlacht auf dem Felsen, zeigt im Vergleich zu den Radierplatten einen
Zwischenzustand. Denn erst für den XII. Zustand der radierten Platte beschreibt
Vogel den weiblichen Genius und die kämpfenden Krieger als neues Detail - die
weiteren, abschließenden Änderungen der Platte bis zum finalen Zustand XIX
dienen lediglich kleinen Überarbeitungen sowie stärkeren Modellierungen der
Figuren. Als minutiös, bis ins Detail ausgeführte und zeichnerisch brillant
formulierte Vorlage ist die Zeichnung Zeugnis von Greiners Geistesreichtum und
künstlerischer Ideenentwicklung." B]
1908 beginnt Greiner mit der Arbeit an der großformatigen Radierung „Gäa“ (Vogel 93, Taf. XXXIII). Vier Jahre arbeitet er an der eindrücklichen Darstellung der Mutter Erde, bis er sein Werk 1912, belegt durch zahlreiche Zeichenstudien und immer wieder überarbeitete Radierplatten, beendet.
Im Zentrum der Darstellung sitzt eine riesenhafte, nackte Frau, niedergesunken, die Augen geschlossen, unter einer Felsscholle als trage sie die Welt auf ihren Schultern. Ihre linke Brust reicht sie ermüdet einem Säugling, der ihr von einem Satyr entgegengestreckt wird. Umgeben wird sie von Kindern verschiedenen Alters. Sie ist die Personifikation der „unerschöpflichen Zeugungskraft und Fruchtbarkeit der Allermutter Erde, versinnbildlicht durch die ewige Verjüngung des Menschengeschlechts, das von Geburt an in bestimmte Bahnen seinen Kreislauf vollendet“ (Vogel 1917, S. 93). Aus ihrem Schoß gebärt sie Kinder, die - in der vorliegenden Zeichnung noch fehlend, aber auf der vollenden Platte zu sehen - von einem weiblichen Genius in Empfang genommen werden, um schließlich auf den steinigen Pfad des Lebens entlassen zu werden. Wie steinig, beschwerlich und gefährlich dieser Lebensweg werden kann, mag die Schlacht der Reiterscharen auf der Oberfläche zu verdeutlichen.
Die Zeichnung, hier noch ohne die Anlage des weiblichen Genius, aber bereits mit den drei Kinder zwischen den Beinen und der Schlacht auf dem Felsen, zeigt im Vergleich zu den Radierplatten einen Zwischenzustand. Denn erst für den XII. Zustand der radierten Platte beschreibt Vogel den weiblichen Genius und die kämpfenden Krieger als neues Detail - die weiteren, abschließenden Änderungen der Platte bis zum finalen Zustand XIX dienen lediglich kleinen Überarbeitungen sowie stärkeren Modellierungen der Figuren. Als minutiös, bis ins Detail ausgeführte und zeichnerisch brillant formulierte Vorlage ist die Zeichnung Zeugnis von Greiners Geistesreichtum und künstlerischer Ideenentwicklung.